Heute soll es in der kleinen, bescheidenen Rubrik "Das Auto zum Wochenende" nicht um ein spezifisches Modell gehen, sondern um eine ganze Gattung. Das entscheidende Stichwort lautet: Tuning! Im Bereich der Modifikation von Automobilen aller Art scheint es kaum noch Grenzen zu geben. Erlaubt ist, was gefällt - und die Geschmäcker variieren bekanntlich. Was man vor zwanzig Jahren noch "Aufmotzen" schimpfte, heißt heute deutlich galanter "Individualisieren". Auf der diesjährigen Essen Motor Show (EMS) - ihres Zeichens eine der führenden Tuning-Messen weltweit - gibt es wieder einmal das gesamte Spektrum der Szene an der Gruga zu bestaunen. Ein Rundgang.
Von winzig bis gigantisch
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| Mini-Zyklop auf großem Fuß: Elia Twizy. |
Grundsätzlich darf und soll alles getunt werden, ganz gleich ob das Auto alt oder neu, billig oder teuer ist. Auch die Größe spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Wie als Beweis begegnen mir gleich zu Beginn meines Messebesuches zwei Ausstellungsstücke, wie sie kaum gegensätzlicher sein könnten. Das eine Extrem ist der von
Elia aufgemöbelte Mini-Elektroflitzer Renault Twizy
(hier geht es zum Bericht über das Original). Am anderen Ende der Größenskala bekommt die ohnehin nicht eben mickrige Mercedes G-Klasse eine dritte Achse, nochmals mehr Bodenfreiheit sowie eine offene Ladefläche spendiert. Vom
Bottroper Daimler-Veredler Brabus gibt es obendrein noch eine Leistungsspritze auf 700 PS. Ernsthaftes Kaufinteresse wird dieses Ungetüm vermutlich nur im arabischen Raum wecken: Brabus verlangt eine gute halbe Million Euro.
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| Wohl eher etwas für die Wüste: Brabus G 6x6. (dieses und alle weiteren Bilder: NS) |
Von Hausmannskost bis Gaumenschmaus
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| Bis zur Unkenntlichkeit modifiziert: Audi TT |
Die Tuningszene ist von einer für Autofreunde atemberaubenden Vielfalt. Und in Essen findet jede Variation ihren Platz in einer der zwölf bis zum Rand gefüllten Messehallen.
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| Noch immer beliebt in der Szene: Corsa B |
Da gibt es zum Beispiel den Kreis der privaten Bastler. Beim "Show and Shine Award" treten Autoverrückte mit ihren nach eigenem Stilempfinden präparierten Fahrzeugen in einem Schönheitswettbewerb gegeneinander an. Motoren werden vergoldet, Lacke mit Airbrush aufgewertet und der Unterboden mit LEDs beleuchtet. Es werden HiFi-Anlagen, oftmals teurer als das Auto drumherum, verbaut. Flügeltüren sorgen neben Chromfelgen für den entscheidenden Bling-Effekt.
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| Auch für Kias werden Komplettumbauten angeboten. |
Räumlich deutlich abgetrennt gibt es eine weitere, wesentlich kostspieligere Art des Tunings: hier stellen spezialisierte Fachbetriebe Komplettfahrzeuge aus, die Interessierten zeigen, dass man nicht zwingend selbst Hand anlegen muss. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, kann man sein Serienauto auch von diversen Firmen veredeln lassen, sei es ein Hyundai oder ein Lamborghini. Freilich lassen sich diese divergierenden Herangehensweisen an ein und dasselbe Thema nicht miteinander vereinbaren. Man schraubt selbst oder man lässt schrauben - nicht nur eine Frage der Fähigkeiten und des Budgets; es sind zwei inkompatible Ideologien.
Von gestern bis morgen
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| Sieht bissiger aus als er ist: seltener Jowett Jupiter. |
Das Hauptaugenmerk der EMS liegt auf dem Veredeln von Autos. Das bedeutet aber keinesfalls, dass es dort keine anderen interessanten Bereiche zu erkunden gibt. Weil die Motor Show auch eine Art Ausblick auf die im März nächsten Jahres ebenfalls in den Grugahallen stattfindende Oldtimermesse Techno Classica bieten soll, gibt es neben einer Sonderausstellung zum 100-jährigen Bestehen Maseratis auch zahlreiche Händlerstände rund um das alte Blech zu besichtigen. Es wird nicht nur präsentiert, sondern wie in jedem Jahr auch eine beachtliche Auswahl an Klassikern vom Käfer bis hin zum Rolls-Royce zum Verkauf angeboten.
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| Der nagelneue BMW 4er bereits als gepimpter Streifenwagen |
Da die Haupt-Zielgruppe der EMS eher junges Publikum ist, kommen auch Gegenwart und Zukunft nicht zu kurz. Ähnlich den großen Automobilmessen wie IAA in Frankfurt und AMI in Leipzig sind einige Autohersteller vertreten, um ihre neuesten Produkte zu präsentieren. So zeigt Mercedes das A-Klasse-Derivat GLA, während Skoda gleich eine ganze Reihe neuer sportlicher Modelle exponiert. Andere Neuheiten finden sich in bereits veredeltem Zustand an den Ständen der Tuner, so auch eine Corvette C7 Stingray.
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| Es scheint aufwärts zu gehen: Feine Opel-Studie Monza. |
Einer der spannendsten Bereiche dürfte für viele Besucher die alljährliche Ausstellung von Konzeptstudien sein. Egal ob es sich dabei um einen seriennahen Prototyp handelt oder um eine Vision, die keine Chancen auf eine praxistaugliche Realisierung hat: es ist geradezu atemberaubend, die Entwürfe der größten Designer unserer Zeit live und in Farbe betrachten zu können.
Von kurios bis spektakulär
Meinen Messerundgang beschließen soll eine Fotoshow mit einigen der bizarrsten und außergewöhnlichsten Exponaten der EMS 2013, inclusive qietschender Reifen und nackter Haut.
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| Autokino: man beachte auch den Sternenhimmel! |
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| Reichlich Motorsport in Essen: hier Vettels Red Bull. |
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| Auch Zweiräder gibt es hier zuhauf, wenn auch selten so formschön. |
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| Eine Szene für sich: VW Vento im Rattenlook. |
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| Wie kann man nur? Das luxuriöseste Serienauto der Welt in Camouflage-Optik. |
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| Hot-Rodding auf die Spitze getrieben: hat was! |
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| Nicht schön, aber einzigartig: eines von diversen Eigenbau-Unikaten. |
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| Und das Ganze nochmal von vorne: an wen oder was erinnert diese Augenpartie nur? |
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| Eine Studie als Gegenentwurf zu allen verweichlichten SUVs auf unseren Straßen |
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| Ein grausiger Trend: Tieferlegen bis zur Unbrauchbarkeit. |
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| Wer's mag: Cindy immer und überall auf der Motorhaube dabei. |
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Was für ein Monstrum: der Brutus mit 47 Liter BMW-Flugzeugmotor.
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| Passt ins Messebild: bunter Hummer wirbt für Stripclub. |
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| Eine gesamte Halle war für Driftshows reserviert. |
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| Im Ruhrpott wird Rauchen auch in geschlossenen Räumen noch gern gesehen. |
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| Alles wie vor 30 Jahren: zum Glück ticken in der Tuningbranche die Uhren noch anders. |
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| Heckansicht des martialischen Sbarro Flèche Rouge. |
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| Mein Messefavorit: perfekte Linien in Form des Italdesign Giugiaro Parcour Roadster. |
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| Mercedes-Studie Ener-G-Force. Sieht so der Nachfolger der G-Klasse aus? |
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| Einmalig schöner Chevrolet Bel Air |
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| Scheinbar schwebender VW Bulli |
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| Eine Frage des Geschmacks? Verschlimmbesserter Audi R8. |
Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent
Siehe auch:
Das Auto zum Wochenende, Folge 32: Wiesmann
Das Auto zum Wochenende, Folge 31: Mercedes CLS
Das Auto zum Wochenende, Folge 30: Leopard Roadster
Das Auto zum Wochenende, Folge 29: NSU Ro80
Das Auto zum Wochenende, Folge 28: Peugeot 1007
Das Auto zum Wochenende, Folge 27: Lotus Elise
Das Auto zum Wochenende, Folge 26: Lancia Stratos
Das Auto zum Wochenende, Folge 25: Renault Twizy
Das Auto zum Wochenende, Folge 24: Foto-Ausgabe "Außergewöhnliche Kleinwagen"
Das Auto zum Wochenende, Folge 23: Excalibur
Das Auto zum Wochenende, Folge 22: Wartburg 353
Das Auto zum Wochenende, Folge 21: Lamborghini Aventador
Das Auto zum Wochenende, Folge 20: Volvo 240
Das Auto zum Wochenende, Folge 19: Opel Admiral
Das Auto zum Wochenende, Folge 18: Cadillac Escalade
Das Auto zum Wochenende, Folge 17: Ford Focus RS
Das Auto zum Wochenende, Folge 16: Smart Roadster
Das Auto zum Wochenende, Folge 15: McLaren MP4-12C
Das Auto zum Wochenende, Folge 14: Seat Exeo
Das Auto zum Wochenende, Folge 13: Porsche Panamera
Das Auto zum Wochenende, Folge 12: Pontiac Firebird
Das Auto zum Wochenende, Folge 11: Audi 60
Das Auto zum Wochenende, Folge 10: Jubiläumsausgabe zum Thema Autodesign
Das Auto zum Wochenende, Folge 9: Lada Niva
Das Auto zum Wochenende, Folge 8: Mini
Das Auto zum Wochenende, Folge 7: Alfa Romeo Montreal
Das Auto zum Wochenende, Folge 6: VW Phaeton
Das Auto zum Wochenende, Folge 5: Citroen DS
Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4